Pflanzen-Freundschaft

Eine vier-teilige Weiterbildung über einen ganzen Jahreszyklus für deine tiefere Beziehung mit der Pflanzenwelt

“In einigen indigenen Sprachen bedeutet der Begriff für Pflanzen
diejenigen, die sich um uns kümmern.”

Robin Wall Kimmerer

Wilde und kultivierte Pflanzen sind Grundlage unseres menschlichen Lebens: auch in unserer modernen Welt besteht der Großteil unserer Nahrung, Kleidung und Werkstoffe, sowie vieles weitere, was wir zum Leben brauchen und nutzen, aus Pflanzen. Ob wir Gegenstände aus Pflanzenmaterial kaufen oder ob wir sogar selbst herstellen – der Umgang mit Pflanzen ist bedeutsam in unserem Leben.

Darüber hinaus sind die Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen auch auf anderen Ebenen bedeutsam: Viele Studien zeigen, wie hilfreich allein der Anblick von Grün und von lebendigen Pflanzen für uns ist, indem er beispielsweise messbar Stresshormone reduziert. Denn erst seit kurzem haben wir etwas verloren, was uns über viele Jahrtausende als menschliche Spezies innewohnte: Die alltäglich erlebbare, bewusste Erfahrung, Teil eines lebendigen Beziehungsnetzwerkes zu sein, gemeinsam mit den anderen Bewohnern unserer Landschaften. 

In diesen Krisenzeiten scheinen westliche Philosophen sich mit vielen Indigenen Stimmen genau darüber einig zu sein: Wir können die Situation auf unserem Planeten nur verändern, wenn wir wieder auf gegenseitige Fürsorge ausgerichtete Beziehungen mit der natürlichen, der nicht-menschlichen Welt um uns herum, aufnehmen und pflegen.

Wie wäre es, wenn unsere Beziehung zu Pflanzen und das Wissen über sie, über ihre Ökologie und ihre Lebenszyklen, über das Sammeln, Verarbeiten und Einbeziehen in unseren Medizinschrank und unsere Küche in unseren Alltag eingewoben sein könnten?

Stell dir vor, wir würden das blühende Gänseblümchen auf der Wiese sammeln, weil wir wissen, wie wir daraus Nahrung oder Medizin herstellen können. Und wir würden mit dem Löwenzahn auf der Bahnhofstreppe in Austausch gehen können über das, was wir beide an dem Tag erlebt haben. Kognitiv wissen wir, dass Menschen tief verbunden sind mit allem Lebendigen um uns herum. Was wäre möglich, wenn wir diese Verbindung spüren, leben, kultivieren und feiern würden?

Wenn wir wieder wahrnehmen, dass diese Welt ein lebendiger Ort voller Kommunikation zwischen verschiedenen Spezies ist. Dann würden wir vielleicht nicht nur auf die Wiesenpflanzen schauen als Lebewesen, die es zu schützen gilt, weil sie zu unserer Lebensgrundlage gehören. Sondern weil wir mit ihnen verbunden sind, befreundet und tief verflochten. Weil wir genauso wie sie zugehörig sind zu der Landschaft, in der sie wachsen. Und wir könnten durch diesen Eingebunden sein in unsere Landschaft eine Resilienz entwickeln, die uns unterstützt, mit den aktuellen und kommenden Krisen umzugehen.

„Die wahre Schönheit manifestiert sich in den Strahlen,

die aus dem Allerheiligsten der Seele dringen;

ihr Leuchten bricht aus dem Innersten hervor,

ebenso wie sich das Leben aus dem tiefsten Kern in Blumen und Blüten ergießt,

denen es Farbe und Duft verleiht.“

Khalil Gibran

Pflanzen-Freundschaft entwickeln

An vier Wochenenden verteilt über ein ganzes Jahr werden wir die uns umgebende Pflanzenwelt näher kennenlernen. Welche Pflanzen wachsen in unseren Landschaften, was wächst zu welcher Zeit, was blüht wann, welche Frucht ist wann da und was geschieht eigentlich, wenn sich die Pflanzen in die Erde zurückziehen? Und welche Bedeutung kann all dieses Wissen für uns Menschen haben?

Wir werden die Wahrnehmung schärfen für den Ort, an dem wir leben und mit den dort wachsenden Pflanzen wirken – sie sammeln und verarbeiten und viele Dinge für den alltäglichen Nutzen herstellen.

Gleichzeitig wollen wir erforschen, wie es gelingen kann, in Beziehung zu gehen mit einer Pflanze – durch Wahrnehmungsübungen, Meditationen, Mitgefühlsübungen, Achtsamkeit, Experimente in Pflanzenkommunikation, Zeichnungen, künstlerischen Ausdruck und vielem mehr.

Denn mit den Pflanzen-Freundschaften ist es ähnlich wie mit Menschen-Freundschaften – es braucht Zeit und Zusammensein, damit sie entstehen und tiefer werden können.

Auch interessiert uns die Beziehung der Pflanzen zu ihren anderen Mitwesen: Welche wechselseitigen Beziehungen haben die Pflanzen zu ihren Nachbarn, auch zu den Insekten? Wo sind sie Lebensraum, Nahrung, Schutz für die unendliche Vielfalt der ganz kleinen Tiere und wo brauchen sie für Fortpflanzung oder anderes die sechs- oder acht-beinigen Lebewesen?

Neben dem Blick auf die Pflanzen direkt vor uns, wollen wir auch den Blick weiter heben und schauen, wie unsere Beziehung zur Pflanzenwelt unsere moderne Kultur beeinflussen kann: in welchem Zusammenhang stehen Wild- und Kultur-Pflanzen mit den gestalteten Landschaften und Böden Mitteleuropas? Wie können wir zu einer Landschaft beitragen, die uns nährt und von uns genährt wird?

In diesem Kurs geht es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern es geht auch um die grundlegende Frage: Wie konnten wir uns so sehr von dem Land, von dem wir leben, und seinen Bewohnern entfernen / entfremden? Und vor allem: was können wir jetzt selber tun, um das zu ändern? Wie kann ein neues Miteinander mit den Pflanzen vor unserer Haustür und in unserem Leben aussehen? Und was braucht es von uns, um mit den Pflanzen und unserer Mitwelt in einem achtsamen und wertschätzenden Miteinander existieren zu können?

Wir werden immer wieder kleine, einfache Achtsamkeitsübungen integrieren, um uns mit uns selbst und mit unserem Menschen-Körper zu verbinden. Da wir soziale Wesen sind, deren erstaunliche Entwicklung vor allem auf unserer wunderbaren Fähigkeit basiert, Verbindungen mit anderen einzugehen, spielt in diesem Kurs die menschliche (Kurs-) Gemeinschaft ebenso eine wichtige Rolle.

Im Laufe des Jahres werden wir als kleines Dorf zusammen wachsen und uns gegenseitig bei der Verbindung mit der Pflanzenwelt begleiten und unterstützen. Indem wir achtsamer, liebevoller und verbundener mit uns selber, mit anderen Menschen und mit all den Lebewesen der uns umgebenden Natur umgehen, können wir unseren Teil zum Netz der lebendigen und wechselseitigen Beziehungen innerhalb eines Ökosystems beitragen.

“Das äußere einer Pflanze

ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit!”

Johann Wolfgang von Goethe

In diesem Ausbildungszyklus lernen und erforschen wir:

  • Allgemein-Wissen über Pflanzen und das Kennenlernen von einzelnen bei uns vorkommenden Arten: Bestimmungslehre, Inhaltsstoffe, Neurobiologie, Ökologie
  • Beobachtungen und Wahrnehmung der Pflanzenwelt im Jahreskreislauf
  • jahreszeitlich abgestimmte Verarbeitung von Pflanzen: Heilzubereitungen wie Salben und Tinkturen, Nahrungsverwendung, Räucherwerk
  • Handwerk wie Graskörbe oder Weidenkörbchen, Färben mit Pflanzen
  • Selbstmitgefühl und Meditationen für mehr innere Balance im Kontakt mit der Pflanzenwelt
  • verschiedenen Methoden und Techniken der Kommunikation mit Pflanzen, Pflanzenverbündete finden, näher kennenlernen und Beziehungspflege mit Pflanzen
  • Von Pflanzen und ihren Lebensorten inspirierte Gedichte und Lieder erlauschen
  • Rituale mit und für Pflanzen
  • Regenerative Kultur, Dekolonialisierung und Mitgefühl und gegenseitige Fürsorge mit der mehr-als-menschlichen Welt als größere, essentielle Rahmen-Perspektiven für unsere Beziehung auch zur Pflanzenwelt
  • und natürlich erprobte Praktiken für eine tiefe(re) Verbindung zu deinem gegenwärtigen Lebensort

Innerhalb eines Jahres werden wir uns an vier langen Wochenenden treffen. Zusätzlich zu Katharina Voigt, die durch das ganze Jahr die Ausbildung leiten wird, haben wir jeden Block eine weitere Gastlehrer*in:

  1. Frühjahr / Wachstumszeit
  • Pflanzenwissen und -Verarbeitung: Bestimmungslehre, Inhaltsstoffe, Sammelmethoden- und ethik, Verarbeitung für Salben und Tinkturen
  • Gastlehrerin Birte Friebel, Solawi-Gärtnerin: Ökologie, Agroforst und Permakultur, Geschichte der Kulturlandschaft, Zusammenarbeit mit der Landschaft auf eine lebensförderliche Art und Weise
  1. Sommer / Zeit der Lebendigkeit und Fülle
  • Pflanzenwissen und -Verarbeitung: Neurobiologie von Pflanzen, Zeichen—und Malkunst, Nature Journaling, Pflanzenwasser, Räucherwerk, Graskörbchen,
  • Gastlehrer*in N.N: Insekten! Multidimensionale Netzwerke – Ebenen der gemeinsamen Welten von Insekten und Pflanzen, Lebensräume, Nahrung, Befruchtung
  1. Herbst / Zeit der Ernte
  • Pflanzenwissen und -Verarbeitung: Wurzeln graben, Wurzeln-Tinkturen, färben mit Pflanzen, Pflanzen fermentieren / haltbar machen
  • Gastlehrerin Maya Mahn, Fermentation und Dekolonialisierung: wie sind wir durch die Pflanzenwelt mit der ganzen Welt verbunden? Wie nähren die Pflanzen uns und wir die Pflanzen? Welche Rolle spielen Lebendigkeit und Sterblichkeit?
  1. Winter / Rückzugs- und Integrationszeit
  • Pflanzenwissen und -Verarbeitung: Weidenkörbchen, Gedichte und Lieder erlauschen, Signaturenlehre als Möglichkeit zur Ansprache von Pflanzen, Beziehung mit den Pflanzen, Verwobensein, Pflanzenkommunikation, Rituale mit und für Pflanzen
  • Gastlehrer*in N.N.: Kin – wie geht echte Beziehung mit den nicht-menschlichen Wesen leben?

„Unsere einheimischen Kräuterkundigen sagen,

dass du aufpassen solltest,

wenn Pflanzen zu dir kommen;

sie bringen dir etwas,

das du lernen musst.“

Robin Wall Kimmerer

Dieser Kurs ist für dich, wenn du…

…selber neugierig bist auf die Pflanzenwelt und noch mehr lernen möchtest über Bestimmung, Inhaltsstoffe, Neurobiologie, Ökologie

…du Lust hast, Pflanzen zu sammeln und zu verarbeiten, um sie in deinem eigenen Medizinschrank oder in der Küche zu verwenden

…ein wenig in Handwerk mit Pflanzen hineinschnuppern möchtest

…das Wissen über Pflanzen an andere Menschen weitergeben möchtest

…noch mehr verstehen, begreifen, fühlen möchtest, wie Pflanzen und Menschen miteinander verbunden sind

…deinen inneren Frieden nähren möchtest, von dem aus du in Kontakt mit den Pflanzenwesen gehen kannst

…den alltäglichen Umgang mit Pflanzen bewusster in deinen Leben integrieren möchtest, selbst wenn du in der Stadt wohnst

…die Pflanzen-Freundschaften an deinen Lebensorten pflegen und nähren möchtest

…die Wechselseitigkeit deiner Beziehungen zur-mehr-als-menschlichen Welt stärken möchtest

„Nimm niemals die erste Pflanze,

die du findest,

denn es könnte die letzte sein –

und du möchtest,

dass diese erste zu den anderen ihrer Art

gut von dir spricht.“

Robin Wall Kimmerer

Termine

Wochenende Frühjahr 18.-21. April 2024

Wochenende Sommer 11.-14. Juli 2024 (oder 20.-23. Juni – wird noch geklärt)

Wochenende Herbst 26.-29. September (oder 24.-27. Oktober – wird noch geklärt)

Wochenende Winter 09.-12. Januar 2025

Start am Donnerstag mit dem Mittagessen um 13 Uhr / Anreise ist ab 12 Uhr

Ende am Sonntag gegen 14 Uhr – nach dem Mittagessen

Kosten

Kurskosten: 980 bis 1580 € für alle 16 Kurstage – nach Selbsteinschätzung

Zzgl. 140€ pro Wochenende für Unterkunft (Zelt oder Matrazenlager oder Stehplatz fürs Auto) und Vollverpflegung in Schwerbach. Wir werden dort mit biologischer sowie vorwiegend saisonaler und regionaler Verpflegung liebevoll bekocht. Der wertschätzende Umgang mit den Nahrungspflanzen ist für uns Teil des Workshops.

Finanzierungskonzept

Die Preisspanne soll Menschen aus unterschiedlichsten Welten die Teilnahme ermöglichen. Bei der Auswahl des für dich passenden Beitrages bedenke bitte nicht nur deine aktuelle Einkommenssituation, sondern auch:

  • Inwieweit du und deine Vorfahren historische Unterdrückung und Ausbeutung erfahren haben
  • Wieviel Vermögen du hast – Immobilien, Land, Aktien, Altersvorsorge…
  • Welche Zugangsmöglichkeiten du zu Einkommen und Vermögen hast – das heisst, ob du ein Erbe erwartest oder wie einfach du durch deine eigenen Entscheidung mehr Einkommen bekommen könntest im Vergleich mit anderen Menschen in Europa und in der Welt
  • sind andere Menschen auf dein Einkommen angewiesen?
  • Wie sind die sozioökonomischen Voraussetzungen der Region, in der du lebst im Vergleich mit anderen Regionen?

(Diese Preisgestaltung ist inspiriert von Báyò Akomóláfés Vorschlag in “We will dance with mountains”.)

Bitte gib bei der Anmeldung deinen finanziellen Beitrag an.

Kursort Schwerbach, Nähe Kirchberg im hunsrück

„Handeln für das Leben verändert.

Da die Beziehung zwischen dem Selbst und der Welt wechselseitig ist,

geht es nicht darum,

zuerst erleuchtet oder gerettet zu werden und dann zu handeln.

Wenn wir daran arbeiten, die Erde zu heilen, heilt die Erde uns.“

Robin Wall Kimmerer

Anmeldung

Bitte melde dich zu unserem Kurs hier über unser Kontaktformular: